PDA - "Pathological Demand Avoidance"
PDA ist ein Profil innerhalb des Autismus-Spektrums, das durch eine besondere Herausforderung im Umgang mit Anforderungen gekennzeichnet ist. Dabei geht es nicht nur um große Aufgaben wie Hausaufgaben oder das Aufräumen, sondern um jede Form von Erwartung – selbst dann, wenn es etwas betrifft, das das Kind eigentlich gern tut. Sobald eine Handlung als Forderung erlebt wird, löst sie Stress und Widerstand aus.
Kinder mit PDA zeigen diesen Widerstand oft sehr unterschiedlich, vor allem abhängig vom Stresslevel: Manche reagieren mit lautem Protest oder Wut, andere versuchen, die Situation mit Fantasie, Humor oder Verhandlungen zu entschärfen. Wieder andere ziehen sich zurück oder wirken wie blockiert. Von außen sieht es manchmal so aus, als ob das Kind einfach „nicht will“, doch in Wahrheit ist es keine bewusste Entscheidung. Das Nervensystem dieser Kinder verarbeitet Anforderungen als Bedrohung und reagiert automatisch mit Schutzstrategien wie Kampf, Flucht oder Erstarren (fight/flight/freeze).
Eine Besonderheit bei PDA ist, dass viele Kinder sozial sehr bewusst wirken. Sie können charmant, kreativ und anpassungsfähig erscheinen, was manchmal darüber hinwegtäuscht, wie groß die innere Überforderung tatsächlich ist und gleichzeitig das Erkennen einer ASS (Autismus-Spektrum-Störung) erschweren. Gleichzeitig entsteht ein paradoxes Muster: Je mehr Druck aufgebaut wird, desto weniger ist Kooperation möglich. Wenn eine Tätigkeit jedoch freiwillig gewählt wird, gelingt sie oft leichter. Aus diesem Grund funktionieren gängige Erziehungsmethoden bei Kindern mit PDA nicht und viele Eltern erleben sogar ihre bedürfnisorientierte Elternschaft als Scheitern.
Die ständige Anstrengung, Erwartungen zu entkommen, kann für Kinder mit PDA sehr belastend sein und sich auf ihr Wohlbefinden auswirken. Deshalb ist es so wichtig, ihr Verhalten nicht als Trotz oder Ungehorsam zu deuten, sondern als Ausdruck von Stress auf Nervensystemebene. Wenn wir verstehen, dass ihr Körper auf Anforderungen wie auf eine Gefahr reagiert, können wir andere Wege finden: weniger Druck, mehr Sicherheit, echte Wahlmöglichkeiten und Bezugspersonen, die selbst reguliert bleiben.
Doch oft reicht allein das Verstehen nicht aus. Viele Eltern fragen sich, wie man selbst reguliert bleiben soll, wenn das Kind schreit, Möbel schmeißt, haut, tritt, beleidigt oder es einfach nie läuft, wie man es sich vorstellt?! Schließlich hast du auch Verpflichtungen und Termine und du willst auch einfach nicht, dass so mit dir umgegangen wird?! Diese Frage lässt sich nicht einfach beantworten und in den meisten Fällen auch nicht nur durch Regulationsstrategien lösen. Was es braucht, ist die Arbeit mit deinem Nervensystem, deiner Geschichte, deinem Körper, deiner Wahrheit und vielleicht auch deiner Wut. Nicht alleine, sondern in Begleitung. Mit einer Person, die dir einen sicheren Raum halten kann und alles mit dir zusammen trägt und sich die Situation mit dir wertneutral anschaut.
Genau das ist meine Arbeit. Ich bin für dich da.